Yiquan – Strukturkraft

Die Strukturkraft im Yiquan wird in diesem Artikel mit folgenden Theorien betrachtet:

Grundlage: Im Zhan Zhuang entwickelt man eine besonders hohe Stabilität der Skelettmuskulatur.

Diese Stabilität ist zu einem Teil der richtigen Ausrichtung der einzelnen Gliedmaßen und Gelenken geschuldet.

Zum anderen ist ein wichtiges Element jedoch die gleichzeitige Ansteuerung mehrerer Muskelfasern, die bei einer Alltags- oder Sportbewegung nicht berücksichtigt werden. Mit den bewussten Vorstellungsmethoden werden über das Training mehr Nervenzellen im Körper aktiviert und dadurch mehr Muskelfasern angesprochen, die ansonsten bei einer Alltags- oder Sportbewegung nicht angesteuert werden. Dies geschieht in dem Zeitfenster zwischen den Einsetzen der bewussten Vorstellung (z.B. Kraft nach vorne) und dem Erspüren des Ansprechens des entspannten Muskels.

Je höher die Intensivierung der Vorstellung ist umso mehr Muskelfasern werden trainiert und umso mehr können zur Stabilität und Haltekraft beitragen.

Bei fortgeschrittenen Übungsmethoden werden über die Vorstellung zudem die Antagonisten und Agonisten über die Nervenzellen gleichzeitig angesprochen, die Vorstellung bzw. das entwickelte Gefühl des Übendes geht hier in beide Richtungen gleichzeitig.

Hinzu kommt, dass alle Muskeln in Ihrer Gesamtheit als Einheit agieren. Das bedeutet nicht nur, das Wadenmuskulatur, Oberschenkelmuskulatur etc. miteinander in eine Richtung arbeiten, sondern, dass alle am Gelenk beteiligten Muskeln an der Stabilität beteiligt werden. Auch hierfür gibt es wiederum die Vorstellung einer “runden Kraft” bzw. einer Kraft in jedem Gelenk, die in drei Richtungen aufgebaut wird.

 

Yiquan – Entspannung, Ganzkörperkraft, Struktur

Yiquan – fit und gesund

Die traditionelle Chinesischen Medizin (TCM) spricht davon, dass Blut und Qi fließen muss um gesund und fit zu sein. Mit Yiquan wollen wir jeder einzelnen Zelle im Körper unsere Aufmerksamkeit geben um dieses Ziel zu erreichen.

Der wichtigste Bestandteil des Yiquan – Qigong Systems ist der Stand bzw. das Zhan Zhuang.

Im Stehen können alle Prinzipien und Kraftqualitäten dieser inneren Bewegungskunst erfahren werden. Diese Prinzipien können auch in eine Bewegung bzw. Sportbewegung übertragen werden.

Das Ziel des Trainings ist die Entwicklung einer Ganzkörperkraft, die jederzeit explosionsartig abrufbar ist.

Neben den körperlichen Aspekten wie Ganzkörperkraft und Struktur ist im Yiquan immer auch der Geist und damit die mentale Arbeit von entscheidender Bedeutung.

Während dem Stehen benutzt der Praktizierende verschiedene mentale Vorstellungen um seinen eigenen Körper intensiver Wahrzunehmen.

Entspannung

Entspannung ist im Gegensatz zu verschiedenen anderen inneren Kampfkunststilen “nur” als Grundvoraussetzung für die optimale Körperausrichtung (Struktur) zu sehen und wird im Yiquan Training immer auch von der Anspannung komplettiert.

Ganzkörperkraft

Der Übende entwickelt eine neue Art der Verbundenheit und Ausrichtung seiner einzelnen Gliedmaßen und des gesamten Körpers.

Diese Struktur kann im fortgeschrittenen Übungsstadium in jeder Lage des Körpers, im liegen, gehen oder stehen erzeugt werden.

Struktur

Für diese Stabilität ist zum einem die optimale Ausrichtung der einzelnen Gliedmaßen und Gelenke verantwortlich.

Zum anderen geht man im Yiquan davon aus, dass über die Aufmerksamkeitslenkung mehr Muskelfasern angesteuert werden, als bei einer Alltags- oder Sportbewegung.

Aufmerksamkeitslenkung (Mentalkraft)

In diesem System wird jede Bewegung oder Anregung von Muskulatur (=Anspannung) mit einer Art visuellen Vorstellung verbunden.

Nach jeder „Anspannung“ erfolgt die „Entspannung“. Der Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung wird zusammen mit Körper und Geist geübt.

Diese Entspannungs- bzw. Regenerationsphasen können vor oder nach dem Sport, in den Pausen sowie während der Bewegung ausgeführt werden.

Krafteinsatz

Der “Krafteinsatz” ist zu Beginn des Trainings so gering wie möglich. Das Yiquan System spricht hier von “Yong Yi Bu Yong Li – Benutze den Geist, nicht die Muskelkraft”

Mit regelmäßiger Praxis erhält der Übende eine verbindende “Kraft” zwischen den einzelnen Körperteilen.

Stabile, runde Kraft

Im Yiquan versuchen wir während der Bewegung mehrere Kraftrichtungen zu generieren und somit eine in alle Richtungen kompakte und stabile Kraft zu erhalten.  Die Bewegung setzt sich zuerst aus drei Kraft- bzw. Bewegungsrichtungen zusammen. Einer Hauptrichtung und Zwei Nebenrichtungen.

In der Gegenbewegung stecken die anderen drei Richtungen.

Umschalten von Entspannung zu Anspannung

Im Stehen, dem Zhan Zhuang, üben wir den Richtungswechsel mit dem Ziel, die Verbindung von Körper und Geist zu erreichen, sowie den Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung zu trainieren.

Der Yiquan Praktizierende lernt die geistige und körperliche Entspannung schlagartig auszuführen und unanhängig von Körperausrichtung abzurufen.

Um den Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung zu Üben gibt es im Yiquan zwei grundlegende Methoden. Die aktive und die passive Methode der Bewegungsvorstellung.

Partnerübungen

In Partnerübungen können die Bewegungsprinzipien abermals überprüft und am Gegenüber angewendet werden. Die Wahrnehmung der unterschiedlichen Kräfte in einer Partnerübung kann dazu benutzt werden um seine eigene Struktur und Prinzipien anzupassen.

Explosive Kraft

Die explosive Kraft ist die explosionsartige Kraftentfaltung aus dem ganzen Körper heraus, ohne dabei Struktur oder Ganzkörperkraft zu verlieren.

Bist du Bereit – Stehen zu Bleiben ?!

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Es gibt viel zu sehen in der Welt da draußen, alles bewegt sich, alles geht Joggen, walken und versucht Schritt zu halten mit der Zeit, dem herrschenden Zeitgeist. Die Dynamik lässt uns nicht zur Ruhe kommen, wir stehen am Morgen auf und steigen bereits in das Kommunkationsrauschen ein, über Laptop und i-phone. Wir bewegen uns mit rasanter Geschwindigkeit. Wer nicht schnell genug ist, muss eben den Tag verlängern bis nichts mehr hineinpasst.

Fällt die U-Bahn aus oder der Bus kommt zu spät, kommen wir ins schlingern, haben Angst um unsere Termine und bangen darum nichts zu verpassen, wir sind vielleicht verärgert und verstehen die Welt nicht mehr.

Oft wissen wir gar nicht was uns so bewegt – trotzdem geraten wir in Eile. STOP.

Bist du Bereit – Stehen zu Bleiben ?!

Dann bist du auch bereit die Eile und die Kräfte dahinter zu erkennen. Die Eile ist ein Gedankenzustand, der sich mit der Zukunft oder der Vergangenheit beschäftigt. Beide Momente lebt man also nicht wirklich in der Gegenwart. Wir bewegen uns zwar im Hier und Jetzt, doch die Aufmerksamkeit ist der tatsächlichen Wirklichkeit nicht offen gegenüber. Wollen wir die Wirklichkeit erkennen, müssen wir uns letztlich mit uns Selbst, in der Gegenwart, beschäftigen. Entweder wir suchen eine app, die unser Verhalten analysiert, oder

wir sind bereit – stehen zu bleiben !?

Bereit. Gratulation. Es ist nämlich gar nicht so einfach – einfach nur stehen zu bleiben – sich zu verwurzeln und dadurch wachsen zu können. Standmeditation ist ein innerer Weg der zu einem tieferen Verständnis von Natur, den Menschen oder eben sich Selbst führen kann. Man lernt sich Öffnen indem man den Moment erkennt und wertschätzen lernt.

“Wer ausserordentliches erblicken möchte, der muss auf das schauen, was die anderen nicht beachten.”
(Lao Tse)

Zuletzt ein praktisches Beispiel an Entschleunigung: Wir stehen an einer roten Ampel – wir erkennen im roten Licht nicht das hinderliche, sondern sehen darin das Leuchten des Buddhas – der uns mit seinem roten Licht eine kurze Ruhepause in unserer beschleunigten Welt schenkt – diese Zeit ist uns geschenkt, um in uns und unsere Gegenwart zu spüren. Es wird Grün.

Schönes Video zum Thema, vielen Dank dafür!

Yiquan – Innere Kampfkunst

Mit dem Begriff Innere Kampfkunst (wiki: neijia quan) werden Stile der chinesischen Kampfkünste bezeichnet, die der Legende nach aus den Wudang Bergen kommen. Während die äußeren Kampfkünste die Entwicklung von Geschicklichkeit und Muskelkraft voraussetzen, basieren die inneren Kampfkünste auf der daoistischen Idee, dass Hartes durch Weiches besiegt werden kann.

Die Weichheit in den inneren Stilen wird durch Entspannung des Körper und Geistes erzeugt und ist Grundvoraussetzung für die harmonischen Bewegungen, welche im Taiji, Bagua oder Xingyiquan zu finden sind. Die Bewegungsabläufe werden achtsam, fließend und ganzheitlich ausgeführt. Durch die achtsame Ausführung der Bewegung wird das Körperempfinden verbessert. Das entwickelte Körpergefühl gibt dem Praktizierenden die nötige Rückmeldung womit die Bewegungsabläufe im weiteren Training optimiert werden können.

Im Yiquan entwickelt man das z.B. Gefühl der Schwerkraft, die dem Körper einen gewissen Grad an Entspannung signalisiert. Im Gegensatz zum autogenen Training sind diese antrainierten Fähigkeiten (Schwere spüren : ) nicht abhängig von einer Visualisation oder einer gewissen Stellung (z.B. liegen). Der Yiquan Praktizierende lernt die geistige und körperliche Entspannung sekundenschnell und unanhängig von Körperausrichtung abzurufen. Die Fähigkeit zu entspannen wird zuerst im Stehen und dann in der Bewegung erfahren.

Die Entspannungsfähigkeit und damit die Fähigkeit “Schwere im Körper” zu spüren ist also der erste notwendige und essentielle Schritt um in das Körpergefühl des Yiquans einzutauchen. Die Entspannung ist hier nicht in erster Linie dazu da, um die Angriffe des Gegners mit Weichheit aufzunehmen oder ins Leere laufen zu lassen, hierzu ist im Yiquan vielmehr das Umschalten von Entspannung zu Anspannung und anders herum verantwortlich.

Diese Art der Entspannung benötigt man nur bei den inneren und nicht bei den äußeren Kampfkünsten, wo mehr Wert auf Kraft und Schnelligkeit gelegt wird. Die meisten Angebote aus dem Bereich der Inneren Kampfkünste oder dem Qigong beschäftigen sich hauptsächlich mit der Entspannung und Weichheit der Bewegung, dies ist dann auch der Grund für die gute gesundheitliche Wirkung dieser Angebote.

Aus Sicht des Yiquan ist dies jedoch nur ein Teilaspekt. Entspannung ist “nur” die Grundvoraussetzung für eine optimale Körperausrichtung (Struktur) und wird im Yiquan Training immer auch von der Anspannung komplettiert.

 

Qigong – Der Atem

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In diesem “Atem” Video spricht John Blue über die herausragende Bedeutung des Atems.

Wahrnehmung, Achtsamkeit und die richtige innere und äußere Haltung sind Grundlagen für die natürliche, ursprüngliche Bauchatmung. Wir beobachten die Gestalt des Atems. Ist der Atem entspannt, ruhig, gleichmäßig und tief? Oder verhindern Anspannungen, Stress oder sonstige Blockaden die natürliche Atmung.

Das Einatmen durch die Nase wärmt, befeuchtet, verlangsamt die Atemluft und verhilft den Energiefluß zu aktivieren. Die Zunge ist dabei die Brücke zwischen Ying und Yang, die Zungenspitze liegt vorne am Gaumen an.

Die Richtige Haltung ist Voraussetzung für einen natürlichen Atmen. Die aufrechte Haltung kann im Sitzen sowie im Stehen gefunden werden. Hierbei ist es wichtig ruhig und entspannt zu experimentieren, ohne in Stress oder Eile zu verfallen.

Spüren wir z.B. im Schulterbereich Verspannung, so kann man diese Verspannung bewusst kurzzeitig übertreiben und nach anschließender Entspannung wieder ein entspanntes, natürliches Gefühl erreichen. Mit dieser Methode lernt sich der Körper wieder neu wahrzunehmen und auszurichten. Ebenso können ungewollte Eigenschaften des Atems kurzzeitig übertrieben ausgeführt werden um ihn kurz danach wieder zu lösen.

Ist die notwendige innere und äußere Haltung erreicht und der Brust- und Rückenbereich entspannt, kann man sich mit der Gleichförmigkeit des Atems näher beschäftigen.

Beim Einatmen wird der hintere Rücken und die beiden Seiten am Bauch mit einbezogen, so dass ein Gefühl von einem Ballon im Bauchraum entsteht. Der Ballon dehnt sich in alle Richtungen aus und zieht sich wieder zusammen. Der Atem kann damit den gesamten unteren Torso füllen.

Die Vorstellung von der Natur geatmet zu werden und nicht selbst zu atmen ist eine Möglichkeit unseren Atem intensiver wahrzunehmen und eine tiefere Verbundenheit mit unserer Umgebung und Umwelt zu erleben. Beim Einatmen, atmet unsere Umwelt aus und beim Ausatmen atmet unsere Umwelt ein.

Diese Achtsamkeit gegenüber dem Atem, soll zu unserer natürlichen Haltung im Alltag werden. Gewöhnlich reicht diese Aufmerksamkeit aus, um eine Harmonisierung im Körper zu erreichen.

Jeder Atem beginnt mit dem Ausatmen und endet mit dem Einatmen. Ausatmen und Einatmen sollen jeweils die gleiche Aufmerksamkeit erfahren, ohne dabei gestresst zu werden.

Die vier Phasen des Atmens sind Einatmen und Ausatmen sowie die Phasen dazwischen. Das Aus- und Einatmen ist gemeinsam verbunden und sollte so natürlich wie möglich sein. Verschiedene Vorstellungen, wie Meeresströmungen am Strand etc. verhelfen dem Gefühl der Verbundenheit des Ein- und Ausamtens mit dem Körper und seiner Umwelt.

Der Atem wird weich, langsam, tief, gleichförmig und entspannt. So weit, bis der Atem nicht mehr Wahrgenommen wird.

Atemübungen können jederzeit, überall eingesetzt und geübt werden. Die Atmung ist die Brücke zwischen dem Bewusstsein und dem Unterbewusstsein. Wenn die internen Wände zwischen dem Selbst und dem Universum aufgelöst sind, wird sich die Beziehung zum eigenen Selbst und dem Universum erweitern.

Yiquan – Vermittlung von Körpergefühl

Yiquan beinhaltet Methoden zum Verständnis von Körpergefühl. Hierfür bedient sich die Yiquan-Methode traditionellen und modernen Vorstellungsbildern. Diese Vorstellungsbilder führen zu einer schärferen Sensibilität gegenüber dem eigenen Körper. Hierzu gehört u.a. die Wahrnehmung von unterschiedlich gerichteten Druck- und Zugkräften (6 Richtungen).

Dieses Erspüren und das Erlangen eines tiefen Körpergefühls erfordert keine Formen, wie in den Taiji Stilen oder anderen inneren Kampfschulen. Yiquan arbeitet im Grunde ausschließlich an Prinzipien, die das Erfahren verschiedener Kraftqualitäten ermöglichen. Die wichtigste “Form” im Yiquan ist somit der Stand bzw. das Zhan Zhuang. Im Stehen können die Prinzipien dieser inneren Bewegungskunst austrainiert werden.  Das Spüren und erhalten dieser Kraft in der Bewegung nennt man im Yiquan “Shili”. Diese Shilis sind eine Erweiterung der Stehübungen hin zu einer Bewegung.

In Partnerübungen können die Bewegungsprinzipien abermals überprüft und am Gegenüber angewendet werden. Die Wahrnehmung der unterschiedlichen Kräfte in einer Partnerübung kann dazu benutzt werden um seine eigene Struktur und Prinzipien anzupassen.

Das Ziel des Yiquan bleibt jedoch, die ursprüngliche Kraft (Hunyuan Li) zu erreichen. Auf einer hohen Stufe des Könnens drückt sich diese Bewegungskraft im sogenannten Gesundheitstanz aus (Jianwu), hier kann sich die Kraft in freier Bewegung entfalten. Die Körperausrichtung folgt während dem Gesundheitstanz lediglich einer Verbundenheit dieser Ganzkörperkraft. Die Bewegung ist frei von festgelegten Abläufen oder Formen, jedoch ist diese ursprüngliche Kraft nur mit besonders geschultem Körperempfinden zu erfahren.

Unabhängig vom Meistern dieser ursprünglichen Kräfte verhilft die Methode seinen Körper in den unterschiedlichsten Bereichen zu erfahren. Diese erhöhte Sensibilität gegenüber seinem Körper und der äußeren Umwelt, kann jederzeit in Alltag oder Arbeit, Hobby oder Freizeit integriert werden.

Die Entspannung des Körpers und das damit verbundene Schwereempfinden ist ein Beispiel für ein erhöhtes Körpergefühl, welches mit Yiquan trainiert werden kann, besonders zu Beginn des Yiquan Trainings wird in den meisten Schulen ein besonderer Schwerpunkt auf die Entspannung gelegt.

Letztlich ist das Körperempfinden bei den Menschen unterschiedlich und äußerst individuell, die gelernten Inhalte über seinen Körper und Geist können bis hin zu einer “eigenen” Philosophie führen.

 

Yiquan – Wurzeln und Endungen

Im Yiquan sprechen wir von Wurzeln und Endungen. Gliedmaßen haben im Yiquan einen Ursprung bzw. Beginn, der als Wurzel bezeichnet wird. Bei den Armen ist die Wurzel die Schulter, bei den Beinen wird die Hüfte als Wurzel bezeichnet.

Vergleichen wir dieses Bild mit einem Baum, so stehen die Wurzeln für Stabilität und Standfestigkeit, über die Verwurzelung mit der Erde wird die Energie in die jeweiligen Endungen bzw. Äste übertragen. Sind die Wurzeln schwach, so können sich keine weit verzweigten, kräftigen Äste bilden.

Über diese Methapher erhalten wir Prinzipien, die wir in das Stehen übertragen können. Die Wurzeln sollen grundsätzlich entspannt sein. Durch das Zhan Zhuang trainieren wir diese Entspannung der Wurzeln und erhalten nach einiger Zeit die notwendige Stabilität, Verbindung oder auch Durchlässigkeit zu unseren Extremitäten.

Die Endungen sind im Yiquan hingegen grundsätzlich angespannt. Als Endungen der Beine werden die Füße bzw. Zehenspitzen bezeichnet, die Endung bei den Armen sind die Hände oder Fingerspitzen. Im Stehen können wir über dieses Prinzip der Anspannung und Entspannung, das gewünschte Körpergefühl entwickeln.

Außer den rein “äußerlichen” bzw. körperlichen Wurzeln und Endungen gibt es noch eine Reihe innerer bzw. Organischer Endungen die aus der Sicht des Yiquans in direkter Verbindung stehen. Hierzu gehören u.a. die Zunge, Nägel oder Zähne, denen jeweils eine entsprechende Wurzel wie Fleisch (Muskeln), Sehnen oder Knochen zugeschrieben wird.

Auch diese “inneren” Wurzeln und Endungen können über die Vorstellung trainiert bzw. angesprochen werden. Ein Beispiel ist das Entspannen der Muskeln bei gleichzeitigem nach oben drücken bzw. anspannen der Zunge während dem Stehen.

 

Vipassana – Meditation

Meditation bedeutet: Zur Ruhe kommen. Im Geiste sowie körperlich. Der Geist wird abgeschalten oder an ein Objekt, wie dem Atem oder eine Kerze, gebunden. Diese Arten der Meditation sind in den fernöstlichen Traditionen bekannt und gewinnen auch hierzulande, insbesondere durch Yoga, an Bedeutung.

In der buddhistischen Vipassana Meditation benutzt man zuerst den Atem als Hilfsmittel, um den sogenannten Affengeist zu binden. Nach einiger Zeit, wenn der Geist zur Ruhe gekommen ist, löst man sich von dieser Aufmerksamkeit gegenüber dem Atem und überlässt sich der Leere zu sich selbst.

Ist der Geist ruhig und konzentriert geworden beginnt die eigentliche Praxis von Vipassana: “der Beobachtung aller Empfindungen innerhalb des ganzen Körpers, dem Verstehen ihrer wahren Natur und der Entwicklung von Gleichmut, indem man lernt, nicht auf sie zu reagieren.”

Die meisten Kurse (Retreats) dauern ca. 10 Tage an. In dieser Zeit sollte man seinen Mittelweg bzw. eine Einsicht in die innere Meditation erhalten haben.

Die Rahmenbedingungen in einem Meditationszentrum erlauben es, den Geist vom Alltag abzuschalten. Hierzu gehören jedoch auch bestimmte Regeln… wie

- Sauberkeit und Achtsamkeit seiner Umwelt gegenüber

- unterbrechen der Außenkontakte

- kein Lesen, sondern nur schweigen, denn Worte bedürfen Gedanken

- meditieren ohne musizieren oder mp3-player

und zu guter letzt sollte es nicht allzu bequem sein…

Ich denke ein interessantes Angebot Vipassana zu praktizieren gibt es von 

www.german.dhamma.org/

ich habe richtig lust auf einen Kurs bekommen… THX

 

Interview mit Christian Bauer

Christian Bauer praktiziert seit 1987 asiatische Lehren ( Kampfkunst, Qi Gong, Nei Gong, trad chinesischer Medizin, etc ), bewußte Körperarbeit, sowie verschiedene Methoden der alternativen Medizin. Von 2000 – 2011 war Christian Bauer zum Studium und Vertiefung dieser Leheren in China.


2008 graduierte er als M.D. mit Fachrichtung TCM, an der Beijing University of Chinese Medicine. Es war das gleiche Jahr in dem er auch Meisterschüler (Di Zi) von Yao Cheng Rong wurde.

Auf dem Workshop am 2-3.6.2012 in München haben wir Christian ein paar Fragen über die inneren Kampfkünste und deren Wirkung auf Körper und Geist gestellt.

 

Was begeistert dich an Yiquan?

 

Yiquan ist ein System in dem man sich sehr frei bewegen und selbstständig entwickeln kann. Es gibt z.B. nur drei verschiedene Kicks im Yiquan, aber man kann jederzeit andere Kicks mit einbauen. Das Training kann auch deutlich athletischer praktiziert werden wir können z.B. mit Kreisschlägen etc. arbeiten, je nachdem was man trainieren will. Das Zusammenspiel von Kraftdynamik, Kraftspiel, Kraftverhältnisse, Kraftqualität muss stimmen und auch der Geist spielt eine entscheidende Rolle, die Bereitschaft des Geistes, jederzeit in die anwendende Kraft oder den Angriff rein zu gehen.

 

Man kann sich frei entfalten, wenn man die Basis gemeistert hat und es ist trotzdem noch Yiquan. Man muss dafür aber den Mut haben sich von dem ursprünglich vorgegebenen Rahmen der Bewegungen wie Gougua, Fengua etc. zu lösen. Genauso ist es mit dem Fali, man kann mit dem Ellbogen-Fali, Kopf-Fali, also einfach mit den verschiedenen Körperteilen beim Fali arbeiten.

 

Im Bereich des Yangsheng (Gesundheitsstehen) kann ebenso variiert werden. Es können z.B. auch verschiedene Inhalte aus dem Qi Gong integriert werden wie z.B. die Arbeit mit dem Atem. Wang Xiang Zhai hat zu Beginn viel in diesem Bereich gearbeitet, über die Kulturrevolution hinweg sind einige dieser Dinge auch etwas in den Hintergrund geraten.

 

Yao Yue’s Großvater hat das Yiquan-System als Sportschütze außerhalb der Kampfkunst integriert. Bei vielen Sportarten ist ein äußeres Krafttraining notwendig. Ist es für diese Sportler schwieriger die Grundstruktur im Körper und die notwendige Entspannung zu entwickeln?

 

Eine erhöhte Grundspannung erschwert natürlich die Entspannungsarbeit und damit die Entwicklung des Körpergefühls. Wichtiger ist die Entspannung jedoch für die Entwicklung der explodierenden Kraft, des Falis. Je größer der aktive Entspannungszustand ist, desto mehr Kraft kann man erzeugen. D.h. Wiederum, je höher die Grundspannung ist, desto weniger Reserve hat man dann, die Energie zu komprimieren und abzuschießen. Die Entspannung ist daher auch für den Kampfaspekt enorm wichtig.

 

Kraftsportler haben eher Probleme bei der Entwicklung der Ganzkörperkraft, als bei der Entspannung. Leute die stark Kraftsport ausüben tendieren dazu die Bewegungen nicht aus dem ganzen Körper heraus zu erzeugen, sondern arbeiten oftmals viel aus den Armen oder einzelnen Körperteilen heraus.

 

Im Yiquan Training lernen wir über unsere Wahrnehmung verschiedenste Phänomene, wie die Sensibilität im Körper, zu entwickeln und zu spüren. Welche Bedeutung hat das Qi in diesem System?

 

Diese Wahrnehmungen im Körper sind nach meiner Definition eigentlich das Shen, also der Geist. Qi an sich ist im Grunde nur ein Konzept von Energie. Es gibt Qi in der TCM im QiGong in der Martial Art, aber jedes dieser Qi hat eigene Ideen und Bedeutungen das gemeinsame daran ist, das etwas passiert. Diese Energie, Arbeit, die Aktivität ist in einem nicht manifesten Raum, wie z.B. Zellen, der Herzschlag oder unser Immunsystem. Dies sind alles Dinge, die wir nicht fassen können wir Bewegen uns hier in einem mikrokosmischen, zellulären oder atomaren Bereich der Medizin.

 

Die Muskelbewegung z.B. können wir uns heute über die elektrochemischen Signale erklären, früher war das die Aufgabe von Qi.

 

Wie ist es, wenn wir uns beim Stehen über die Vorstellung bewegen z.B. wenn ich vom Wasser nach vorne und hinten bewegt werde. Das bedeutet doch, dass ich Qi bewege bzw. das Qi mich bewegt?

 

Ja- aber das ist nicht das kämpferische Qi. In der Chinesischen Medizin gibt es hunderte verschiedene Qi, das Lungen Qi, das Milz Qi etc., das ist nichts anderes als ein Periodensystem. Das Qi in der Kampfkunst, das kämpferische Qi ist im Grunde nur die Kraftentwicklung, also die Kraft, die letztlich ankommt. Mit dem Gesundheits- oder Entspannungs- Qi hat dies nichts zu tun. D.h. Beim Training von Entspannungs- Qi etc. werden die eigentlichen Kampfkunstfähigkeiten nicht verbessert.

 

Im Qigong und Taiji wird die Konzentration auf das Dantiem sehr betont, bei vielen Taiji Stilen sollte die Bewegung letztlich aus dem Dantiem erfolgen. Beim Yiquan gibt es diese Konzentration der Energie im Dantiem nicht. Ist es so, das man die Energie im Yiquan nicht sammelt weil man Sie im gesamten Körper benötigt?

 

Ich denke es ist hier oftmals ein falsches Verständnis bzw. eine falsche Vermittlung von dieser Art von Energiearbeit. Aus den Erfahrungen die ich mit Taiji Praktizierenden in China gemacht habe, ist es so, dass bei den Übenden das Dantiem insbesondere aufgrund des physikalischen Zentrums unseres Körpers eine wichtige Rolle einnimmt. Die Konzentration und das damit verbundene Gefühl wird von den Taiji Praktizierenden zu Beginn im Dantiem entwickelt, diese Arbeit im Dantiem sollte sodann aber in allen Körperbereichen stattfinden. Wenn Bewegungen ausgeführt werden darf dieses Gefühl im Dantiem, dem Zentrum, dem Bauch, dem Becken und der Hüfte nicht vergessen werden.

 

Mein Beispiel für die Integration von Yiquan in den Alltag ist, dass das unnötige Warten wegfällt. Es gibt kein Warten mehr, nur noch stehen. Wie integrierst du Yiquan in deinen Alltag?

 

Man kann verschiedenste Dinge integrieren und z.B. Bereiche aus dem Yangsheng anwenden oder auch das Öffnen und Schließen kannst man immer und überall praktizieren, teilweise denkst du dir nur die Vorstellung.

 

Wichtig ist, dass man sich bewusst ist, was man in dem Moment trainiert. Das Training der Sensitivität und der Wahrnehmung im Yangsheng Bereich vermittelt dir vielleicht ein gutes Gefühl, die Kampffähigkeiten hingegen werden dadurch nicht verbessert.

 

Inwieweit kann man von den vorgegebenen Regeln und Konventionen des traditionellen Yiquan-Trainings abweichen und frei trainieren bzw. kreativ arbeiten?

 

Im Sinne das Kampfkunsttrainings, kann man auf jeden Fall von dem „Yiquan Training“ abweichen, wenn man ein gutes Basis- Verständnis der Yiquan-Methodik hat, sprich das Konzept der Kraftqualität (nicht Kraftrichtung) verstanden hat.

 

Dann kann man sich auch frei entwickeln und seine Kreativität mit einbringen. Somit wird auch der eigene Kampfstil bzw. das eigene Yiquan, der eigenen Persönlichkeit, Stärken und Vorlieben angepasst.

Im Sinne des Yangsheng bzw. der geistigen Arbeit, hat man natürlich einen sehr kreativen Freiraum. Wichtig ist nur sich im klaren zu sein, was man gerade “trainieren” möchte, ob Kampfkunstfähigkeiten oder eher “Mentale” -fähigkeiten. oder seine erweiterte Wahrnehmung vielleicht in einem ganz anderen Bereich einsetzten möchte, z.B. in sportlichen Aktivitäten, Stressbewältigung, etc.

 

Umgekehrt ist es dann oft so, dass dieses “erweiterte” Training, zwar nicht wirklich die Kampfkunst trainiert, aber oftmals im Gegenzug, die eigenen Kampfkunstfähigkeiten auf die verschiedenste Art und Weise bereichert.

 

Wir haben im Yiquan-System verschiedene Verbindungen innerhalb und außerhalb unseres Körpers. Mit einem Stock könnte man das eigene Körperschema abseits der Kampfkunsttechniken erweitern und damit Interessante Erfahrungen machen. Wie siehst du das Training mit dem Stock?

 

Der Stock ist zwar im Training bei vielen Praktizierenden nach hinten gerutscht, jedoch hatte er im traditionellen Training eine große Bedeutung. Im Yiquan ist der Langstock weniger als Waffe zu sehen, dazu eignet sich der traditionelle schwere Langstock auch nicht. Wenn man Früher ein so langes Gerät als Waffe benutzt hat, war es normalerweise der Speer. Als Waffe wird im Yiquan ein viel kürzerer und damit flexiblerer Stock gewählt.

Daher ist der Langstock im Yiquan als ein Trainingsgerät zum schleifen seiner Kraft zu verstehen. Er ist eine Verlängerung der Arme. Es ist eine Form von “Gewicht Arbeit” anstatt immer nur mit “leeren” Händen zu trainieren.

Vielen Dank Christian